Allgemeine Informationen

Was sind Papageien überhaupt?

 

 

 

Zur Systematik

 

Papageien stellen eine Ordnung innerhalb der Vögel (Aves) dar. Die Ordnung der Papageien (Psittaciformes) umfasst etwa 380 Arten und 850 Unterarten. - Zum Vergleich: Die Ordnung der Hühnervögel (Galliformes) umfasst übringens etwa 250 Arten.

Die große Zahl der Arten und Unterarten, die wir heute zu den Papageien zählen, lässt bereits erahnen, wie weit verzweigt die Systematik der Papageien sein muss. Die nur zwischen acht und zehn Zentimetern kleinen Spechtpapageien (Micropsitta) gehören ebenso zu den Papageien wie die bis zu einem Meter großen Aras (Ara). Doch allein die unterschiedliche Körpergröße legt bereits nahe, dass diese Papageiengattungen - wollte man ihre Verwandtschaft innerhalb der Ordnung Psittaciformes bildlich darstellen - wohl sehr weit voneinander entfernt stehen würden und das, obwohl beide gleichermaßen zu den Papageien gezählt werden. Kommen jetzt noch die Restlichen der 350 Arten und 850 Unterarten hinzu, so ergibt sich das Bild eines unwahrscheinlich großen und bis in die kleinsten Details verzweigten "Verwandtschaftsbaums", an dessen kleinen Zweigspitzen jeweils eine Art bzw. Unterart stünde, die über zahlreiche Verzweigungen letzlich mit dem einen, dicken Stamm - der Ordnung Psittaciformes - verbunden ist.

Nimmt man als Beispiele den Wellensittich (Melopsittacus undulatus) und den Hyazinthara (Anodorhynchus hyacithinus), stellt sich deren Systematik wie folgt dar:

 

 

Vögel (Aves)

 

 

Papageien (Psittaciformes)

 

 

Eigentliche Papageien (Psittacidae)

 

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Plattschweifsittiche (Platycercinae)                      Neuweltpapageien (Arini)

 

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Wellensittiche (Melopsittacus)                                        Blauaras (Anodorhynchus)

 

  ⇓                                                                                    

 

Wellensittich (Melopsittacus undulatus)                                   Hyazinthara (Anodorhynchus hyacinthinus)         


Wellensittich (Melopsittacus undulatus) - Größe: 18 cm

Hyazinthara (Anodorhynchus hyazinthinus) - Größe: 100 cm

 

 

Zur Anatomie


Skelett und Schädel eines Kakadus

Sieht man das Skelett, so tippen wahrscheinlich viele richtig auf einen Papagei. - Der kräftige, gebogene Schnabel verrät sogar hier - bei einem Skelett -, um welchen Vogel es sich handelt. Vereinzelt werden Papageien auch als "Krummschnäbel" bezeichnet - und dies nicht zu Unrecht. Die charakteristische Schnabelform ist im Tierreich einmalig und typisch für Papageien. Lediglich Greifvögel weisen teilweise eine ähnliche Schnabelform auf. Anatomisch zeichnen Papageien zwei besondere Merkmale aus: Der markante Schnabel und der spezielle Papageienfuß. Papageien sind "Klettervögel". Verglichen mit anderen Vögeln wie beispielsweise Singvögeln fliegen Papageien zwar bei der Nahrungssuche auch besonders viel, dennoch verbringen sie in Baumkronen viel Zeit mit Ruhen und klettern, wenn sie die Äste bis zu diversen Früchten entlangklettern müssen. Auch sind Papageien im gegensatz zu beispielsweise Sperlingen (in der Regel Nestbrüter) Höhlenbrüter, die in teilsweise sehr tiefen Baumhöhlen nisten. - Wollen sie anschließend die Nisthöhle wieder verlassen, so ist es vorteilhaft, wenn man klettern kann und nicht innerhalb der Nisthöhle zum Ausflugloch flattern muss. Papageien sind vollkommen als Klettervögel "konstruiert" und besitzen mit dem speziellen Schnabel und den Papageienfüßen die ideale "Ausrüstung". Sie besitzen stets - in stärkerer oder schwächerer Ausprägung - einen nach unten gebogenen Schnabel, welcher zudem stabil, teilweise sogar wuchtig wirkt. Der besonders bei großen Papageienarten kräftige Schnabel ist mit sehr starken Muskeln versehen, welche die optimale Nutzung des Schnabels ermöglichen: Möchte ein Vogel klettern, so hat er zwar zwei Füße, jedoch keine Hände wie etwa ein Affe, der sich damit festhält. - Doch hier kommt der Schnabel ins Spiel. Papageien nutzen ihren Schnabel beim Klettern wie eine starke Hand, die nach jeweils neuen Haltepunkten sucht und diese fixiert.


Graupapagei umgreift mit den Zehen ein Stück Holz

Doch nicht nur zum Klettern dient Papageien der Schnabel. - Auch beim Fressen ermöglicht er den Körnerfressern das Schälen von harten Sämereien, wobei die Zunge den Samen stets in die richtige Position bringt, um dann von Ober- und Unterschnabel geschickt von der Schale befreit zu werden. Hyazintharas beispielsweise sind mit ihrem kräftigen Schnabel in der Lage, die sehr harten Paranüsse zu knacken und haben damit einen Nahrungsvorteil gegenüber anderen Tieren. Der Schnabel ermöglicht also auch eine große Effektivität in der Nahrungsaufnahme.

Typisch für Papageien sind auch die besonderen Füße, welche perfekt zum Klettern und Festhalten von Nahrung geeignet sind: Bei Papageienfüßen sind stets zwei Zehen nach vorne und zwei Zehen nach hinten gerichtet. - Dadurch ergibt sich für Papageien die Möglichkeit, Dinge fest zu umgreifen. - Der Papageienfuß dient ihnen nicht nur beim Klettern, sondern wird auch beim Fressen als Hand verwendet, wobei die Nahrung von vielen Papageien mit einem Fuß gehalten wird, um nach und nach Teile davon zu Fressen.


Der Papageienschnabel und die typischen Füße ersetzen also Hände, welche den Vögeln normalerweise fehlten. Hierdurch ist der Papagei überhaupt erst in der Lage so wie kein anderer Vogel zu klettern, was die Ordnung der Psittaciformes auszeichnet.