Artenschutz


Hyazinthara (Anodorhynchus hyacintinus)
- mit einer Körperlänge von 100 cm
der größte aller Papageien

Weltweit sind heute ungefähr 380 Papageienarten bekannt. Diese Zahl lässt erkennen, wie vielseitig die Ordnung der Papageien (Psittaciformes) sein muss: Der jedem bekannte, häufigste Heimvogel der Welt - der Wellensittich - gehört ebenso zur Familie der Papageien wie der mit einer Körperlänge von einem Meter gut 80 Zentimeter größere Hyazinthara (Anodorhynchus hyazinthinus). Papageien sind groß und bunt. So denken zumindest die meisten. Doch Papageien sind ebenso klein und einfarbig, groß und einfarbig, klein und bunt. Manche können fliegen, andere nicht. Der Großteil pflegt die lebenslange Partnerschaft bei gleichzeitigem Leben im großen Schwarm, wieder andere bevorzugen das Leben im Harem. Während sich eine nicht kleine Gruppe von Nektar und Früchten ernährt, fressen die meisten Körner und Nüsse. -  Die Vielfalt der heute bekannten, doch längst nicht ausreichend erforschten Arten ist immens. 

 

Das Verbreitungsgebiet der Papageien erstreckt sich dabei über die gesamte Erde. So ist der Wellensittich in Australien anzutreffen, während der Hyazinthara in Mittel- und Südamerika beheimatet ist. Weitere Verbreitungsgebiete stellen Afrika, Asien und Ozeanien dar. Neben der Arktis und Antarktis ist lediglich unser Kontinent Europa nicht natürlich von Papageien bevölkert.

 

 

 

Etwa 50% aller Papageienarten sind bedroht. Wiederum 25% sind sogar stark gefährdet.

 


Der Spixara (Cyanopsitta spixii) ist in seiner Heimat Brasilien
bereits
ausgestorben. Lediglich der gezielten kontrollierten
Nachzucht der
letzten Exemplare in Menschenhand ist es
zu verdanken,
dass zukünftig wieder auf freilebende
Spixaras zu hoffen
ist.

Die größten Vertreter der Papageienfamilie sind Aras. Heute sind etwa 20 existente Ara-Arten bekannt - und bereits halb so viele sind bereits ausgestorben. Die Entdeckung vieler Ara-Arten im Dienste der Wissenschaft führte nicht selten zu einer darauffolgenden, kaum abwendbar scheinenden Ausrottung. - Wurde eine Art von Wissenschaftlern entdeckt, so ging dies häufig mit einer gleichzeitigen Besiedlung der Lebensräume durch den Menschen einher, welche schließlich nicht selten erst zur Entdeckung einer Art geführt hatte. Mit der Besiedlung schrumpfte der Lebensraum der teilweise nur auf kleinen Inseln vorkommenden Arten; Jagd und Abholzung führten unweigerlich zur Ausrottung von etwa zehn Ara-Arten.

Nach der Entdeckung im 19. Jahrhundert schien auch für den Spixara (Cyanopsitta spixii) das Schicksal besiegelt - innerhalb des 20. Jahrhunderts wurde auch er auf die gleiche bedauernswert konsequente Weise verfolgt und dezimiert wie bereits viele Papageienarten nach ihrer Entdeckung zuvor.

 

Im Jahr 2000 war es endgültig passiert: Der letzte seiner Art, ein 19 Jahre altes Spixara-Männchen, welches entlang des Flusses Rio-São-Francisco in der Region Curaça im Nordosten Brasiliens einsam aber tapfer als Letzter seine Art im Freiland vertrat, wurde von einem Raubvogel getötet. - Ironie des Schicksals, dass der durch die Verfolgung durch den Menschen letzte freilebende Spixara nicht etwa Wilderern oder Vogelfängern, sondern einem natürlichen Feind zum Opfer fiel.

 

------------------------------------------------------- Was ist Artenschutz? -------------------------------------------------------

 


Illustration des ausgestorbenen Kuba-Aras von 1907

Der Spixara ist in der Natur ausgestorben. - Ausgestorben wie bereits viele Papageienarten zuvor. Und dennoch unterscheidet sich seine Geschichte deutlich von der anderer ausgestorbener Ara-Arten wie beispielsweise der des Kuba-Aras oder des Meerblauen Aras: Heute leben weltweit noch etwa 90 Spixaras - besser: es leben wieder 90 Spixaras. Doch wie ist das möglich?

 

Artenschutz lässt sich in unterschiedliche Teilbereiche gliedern, welche sich jedoch nie voneinander trennen lassen: Artenschutz kann lokalen Populations- und Lebensraumschutz, Aufklärung im Gefährdungsraum und Forschung im Sinne der Effizienzsteigerung bedeuten. Artenschutz kann aber ebenso kontrollierte Nachzucht in Gefangenschaft bedeuten. Auch wenn anfänglich der Vogelfang Arten wie den Spixara dezimierte, so sind es später jene aus der Natur entnommene Vögel, welche durch den Ehrgeiz und die Konsequenz spezialisierter Züchter und zoologischer Einrichtungen Urväter und -mütter derjenigen Nachzuchten sind, welche nun den Bestand der Art sichern. Haben also Lebensraum- und Populationsschutz versagt, so kann durch kontrollierte Nachzucht in Menschenhand auf eine "biologische Reserve" zurückgegriffen werden, welche den Bestand sichert. Die weltweite Vernetzung der Spixara-Zuchtstationen der Erde (LPF, AWWP, ACTP, u.a.) ermöglicht eine konsequente, kontrollierte Nachzucht der in Menschenhand befindlichen Spixaras und ihr ist es zu verdanken, dass heute weltweit wieder etwa 90 Spixaras existieren. So kann man hoffen, dass eines Tages wieder Spixaras in ihrer natürlichen Heimat leben können.

 


Darstellung des Spixaras aus der Entdeckungszeit

Doch sicher sollte diese Weise einer Artensicherung die letzte Lösung sein. - Nur durch das Versagen des lokalen Schutzes im Heimatgebiet konnte es soweit kommen, dass Vögel aus Gefangenschaft die Art vollkommen vertreten mussten. Dennoch sollte man sich stets bewusst machen, dass jeder Papagei, der in Gefangenschaft in einer zoologischen Einrichtung oder bei einem Züchter lebt, letztlich im wahrsten Sinne des Wortes ein Vertreter bzw. Repräsentant seiner Art ist. Ebenso wichtig wie der örtliche Artenschutz im Heimatgebiet ist also auch die Nachzucht gefährdeter Papageienarten und die dadurch ermöglichte Forschung. - Denn viele der etwa 380 Papageienarten sind hinsichtlich ihres Brutverhaltens in der Natur nur spärlich erforscht. Eben diese Erkenntnisse zur Brutbiologie der Papageien sind es jedoch, welche eine effiziente Nachzucht vom Aussterben bedrohter Arten erst ermöglichen. Die in Gefangenschaft lebenden Papageien können also zur Forschung genutzt werden. So sind zur Brutbiologie des Spixaras in der Natur nahezu keine Erkenntnisse vorhanden. - Die Forschung mit den Exemplaren in Gefangenschaft jedoch ermöglichen - verglichen mit Freilanduntersuchungen - verhältnismäßig einfach Erkenntnisse, welche anschließend Rückschlüsse auf das in diesem Fall spärlich erforschte Verhalten im Lebensraum zulassen, was wiederum Grundvorraussetzung für jede Wiederauswilderung ist.

 


Durch Rodung werden die Lebensräume der Papageien
und vieler anderer Tierarten zerstört