Der Abbott-Kakadu (Cacatua sulphurea abbotti) - der seltenste Kakadu unserer Erde

 

 


Das Verbreitungsgebiet des Abbott-Kakadus beschränkt sich heute nur noch auf die
etwa 5 km² kleine Insel Masakambing. Auf der Hauptinsel Masalambo wurde
der Kakadu ausgerottet
.

Als in den Tagen um den 20. Oktober 2008 eine Erfolgsmeldung in den Medien Schlagzeilen machte, war dies für viele Papageien-Interessierte eine tolle Nachricht. „Ausgestorbene Kakaduart wiederentdeckt“, titelte der FOCUS. „Für ausgestorben erklärt – und wieder gesichtet“, hieß es beim STERN. Der Abbott-Kakadu (Cacatua sulphurea abbotti), eine Unterart des Gelbwangenkakadus (Cacatua sulphurea), galt schon als in der Natur ausgestorben, als er am 01. Oktober 2008 von einer Gruppe von Wissenschaftlern unerwartet wiederentdeckt wurde. Doch was ist aus ihm geworden?

 

Zur Art

Der Abbott-Kakadu, auch bekannt als Mittlerer Gelbhaubenkakadu (Cacatua sulphurea abbotti), ist eine von vier Unterarten des Gelbwangenkakadus (Cacatua sulphurea), welcher ausschließlich auf Sulawesi, den Inseln von Nusa Tenggara westwärts bis Nusa Penida, in Mitten der indonesischen Javasee zu finden ist. Das Verbreitungsgebiet des Abbott-Kakadus umfasst dabei einzig die Masalembo-Inselgruppe. Somit ist Cacatua sulphurea abbotti die westlichst vorkommende und mit einer Länge von 40cm zugleich größte Unterart des Gelbwangenkakadus. Neben seiner Größe unterscheidet sich der Abbott-Kakadu, als welcher er der Einfachheit wegen durchgehend im Artikel bezeichnet wird, auch durch seine blasseren Wangenflecken von der Nominativform.

 

Die Geschichte bis 2008

Bereits 1998 hatte die Zeitschrift PAPAGEIEN über die Situation des Abbott-Kakadus in freier Wildbahn berichtet. Das Team der Wissenschaftler rund um das BirdLife-Indonesien-Programm, welches 1993 startete und sich der Erforschung der aktuellen Bestandssituation des Gelbwangenkakadus annahm, beschloss im Rahmen des Projektes sofort, auch die westlichste, auf den winzigen Masalembo-Inseln vorkommende Unterart Cacatua sulphurea abbotti, den Abbott-Kakadu, in ihre Forschungen einzubeziehen. Dem BirdLife Project Officer Yusup Cahyadin wurde 1993 von einem Einheimischen über die bewegte Geschichte des Abbott-Kakadus berichtet: Nachdem 1917 die isolierte Population der Unterart von dem amerikanischen Ornithologen und Biologen Harry Church Oberholser entdeckt worden war, war die Insel – bis zu Cahyadins Besuch – von keinem Biologen mehr besucht worden. Der Bestand des Abbott-Kakadus war also 76 Jahre von keinem Biologen mehr dokumentiert worden. Die ursprüngliche Waldfläche war in den 1930er Jahren vollständig in Kokosnussplantagen umgewandelt worden, was die Unterart dennoch überlebt hatte. Erst die Vogelfänger dezimierten den Bestand 1983 und 1985 dermaßen, dass zu Cahydins Besuch 1993 lediglich noch acht Vögel auf der Nachbarinsel Masakambing existierten, welche eine Fläche von nur 5km² hat (!). Auf der Hauptinsel Masalembo war der Abbott-Kakadu hingegen vollständig ausgerottet. Sogar in ganz Indonesien waren keine Abbott-Kakadus in zoologischen Sammlungen vertreten. Als JEPSON und SETIAWAN 1998 über die aktuelle Situation berichteten, lebten auf der Nebeninsel Masakambing drei Männchen, vier Weibchen sowie 2 Jungtiere aus der Brutsaison 1996. (JEPSON u. SETIAWAN, 1998)

 

Doch dann kam der Rückschlag: 1999 wurden schließlich nur noch fünf Tiere gesichtet. Aufgrund dessen hielten viele das Überleben der Unterart für unwahrscheinlich. Als „ausgestorben“ – wie in den Medien getitelt wurde – galt der Abbott-Kakadu zwar nie wirklich, dennoch glaubten die wenigsten daran, dass die fünf Vögel das Überleben der Art hätten sichern können.

Umso überraschter war das Forscherteam um Dudi Nandika, als sie 2008 die sensationelle Entdeckung machten. Die Zahl der Abbott-Kakadus hatte sich verdoppelt: Die Forscher entdeckten eine Gruppe von insgesamt zehn Vögeln, bestehend aus vier Brutpaaren und zwei Jungtieren.

 

 


Plantagenbau und Vogelfang waren die Hauptursachen für den Bestandsrückgang des Abbott-Kakadus. Die Werte vor etwa 1990 sind aufgrund der 76-jährigen Forschungspause Schätzungen

Forschungserkenntnisse

Das Indonesian Parrot Project (IPP), welches sich für die Erhaltung der heimischen Papageienarten einsetzt, erforscht seit 2008 die Population des Abbott-Kakadus. Diesem Projekt, welches von der Loro Parque Fundación finanziert wird, ist es zu verdanken, dass nun aktuelle Informationen zur Bestandssituation sowie zur Brutbiologie bestehen. So wurden neben der Saison 2008 auch Daten aus der Saison 2009 gesammelt, bei der ein Bestandsrückgang um zwei Vögel zu verbuchen war.

Besonders bemerkenswert ist die außergewöhnliche Forschungssituation: Aufgrund der äußerst kleinen Fläche, auf der C. s. abbotti vorkommt, ist eine Erforschung mit repräsentativem Ergebnis verhältnismäßig sicher zu erzielen, da mit großer Wahrscheinlichkeit alle Individuen beachtet werden können. Bedenkt man, dass auf der nur 5 km² kleinen Fläche der Insel Masakambing die Gesamtpopulation von 8 Tieren (Stand 2009) lebt, so wird die Insel von 1,6 Vögeln pro km² bevölkert. Vergleicht man dies mit der Bevölkerungsdichte der Nominativform (0,13 Vögel pro km²), so wird die außergewöhnlich kleine Fläche des Lebensraums besonders deutlich. (NANDIKA, AGUSTINA und METZ, 2011)

 

Durch die Forschungsarbeit von Dudi Nandika, Dwi Agustina und Stewart Metz konnten viele Daten zur Biologie des Abbott-Kakadus gesammelt werden. Die Brutstätten der vorhandenen Paare wurden katalogisiert und folgende Daten wurden erfasst (NANDIKA, AGUSTINA und METZ, 2011): Die Paare brüteten in Bäumen von 8 bis 25 m Höhe, deren Stammdurchmesser 28 bis 125 cm betrug. Dabei befanden sich die Einfluglöcher, welche einen Durchmesser von 13 bis 23 cm hatten, in 6 bis 15 m Höhe vom Boden, wobei die Nisthöhlen, welche in morschem, totem Holz angelegt waren, eine Tiefe von etwa 68 cm aufwiesen und am Boden mit einer etwa 10cm hohen Schicht aus Holzspänen und Blattwerk bedeckt waren. Als Nisthöhlen dienten eine Kokospalme (Cocos nucifera), ein Brotfruchtbaum (Artocarpus altilis), ein Kapokbaum (Ceiba petandra), ein Tamarindenbaum (Tamarindus indica) sowie eine schwarze Mangrove (Avicennia sp.).

 

Die Tatsache, dass die fünf benutzten Brutgelegenheiten fünf unterschiedliche Baumarten darstellten, verdeutlicht die ausgeprägte Anpassungsfähigkeit des Abbott-Kakadus – besonders zu erwähnen ist die Anpassung an die Kokospalme (Cocos nucifera) als Nistgelegenheit, da diese ursprünglich nicht zur Heimatflora gehörte, ja sogar durch den Plantagenbau im übertragenen Sinn Schuld an der kritischen Situation trug.

 

Auch über die Ernährung wurden durch das Projekt Erkenntnisse erlangt: Beim Tamarindenbaum (Tamarindus indica), den Mombinpflaumenbaum (Spondias pinnata) und dem Gurkenbaum (Averhoa bilimbi) dienten sowohl die Früchte als auch die Blüten als Nahrung. Vom Meerrettichbaum (Moringa oleifera), der Kokospalme (Cocos nucifera), der Orangen Mangrove (Bruguiera gymnorrhiza) und der Apfelmangrove (Sonneratia alba) wurden die Früchte, vom Kapukbaum (Ceiba petandra), der Kräuselmyrte (Lagerstroemia sp.), der Borassus-Palme (Borassus sundaica), der Metroxylon-Palme (Metroxylon sp.), dem Brotfruchtbaum (Artocarpus altilis) und der Lumnitzer-Mangrove (Lumnitzera racemosa) die Blüten verzehrt.

 

Neben der Ernährung und der Brutbiologie konnten ebenso Erkenntnisse zur Biologie in der Ruhephase gewonnen werden. So wurde der Abbott-Kakadu auf Interaktionen zwischen dieser und anderen Arten hinsichtlich Verdrängung und Wettbewerb untersucht, wobei folgende Erkenntnisse erlangt wurden. Natürliche Feinde sind neben Greifvögeln wie dem Weisbauchseeadler (Haliaeetus leucogaster), dem Rotbauchadler (Lophotriorchis kienerii), dem Gleitaar (Elanus aeruleus), dem Schwarzmilan (Milvus migrans) sowie dem Molukkenfalken (Falco moluccensis) auch der ausgewachsen oft über zwei Meter lange Bindenwaran (Varanus salvator), welcher die Eier des Abbott-Kakadus frisst. Der Bindenwaran lebt häufig in Tamarindenbäumen, wodurch er manchmal mit dem Abbott-Kakadu in Kontakt kommt, welcher dort die Tamarinden-Früchte frisst. Auch andere Vogelarten wie die Rosakopf-Fruchttaube (Ducula rosacea) und der Schwarznackenpirol (Oriolus chinensis) kommen mit dem Abbott-Kakadu in Kontakt. Diese sind zwar Fresskonkurrenten, was die Früchte des Kapukbaums anbelangt, jedoch wurde kein aggressives Verhalten der Arten gegenüber festgestellt. (NANDIKA, AGUSTINA und METZ, 2011)

 

Die aktuelle Situation

Nachdem 2008 noch zehn Individuen gesichtet werden konnten, ging im Jahr 2009 die Population um zwei Vögel zurück. So bestand die Gruppe aus drei Männchen und drei Weibchen sowie zwei männlichen Jungvögeln. (NANDIKA, AGUSTINA und METZ, 2011)

Derartige Rückgänge sind jedoch als Teil natürlicher Bestandsschwankungen zu sehen. Dank der gezielten Aufklärungsarbeit z.B. in Schulen und der Schaffung von Schutzverordnungen, welche im Rahmen des besagten Schutzprojektes stattfanden, war es möglich, dass der Bestand in seinem letzten noch vorhandenen und zugleich winzigen Lebensraum nachhaltig geschützt werden und sich somit etwas stabilisieren konnte. So stieg der Bestand des Abbott-Kakadus im Zeitraum von 2009 bis 2012, also innerhalb von drei Jahren, auf etwa 15 Individuen (IPP, 2012) – ein sensationeller Wert: Somit hatte sich der Bestand erneut fast verdoppelt. Dieser enorme Anstieg hatte jedoch nicht wie bei der Verdopplung von 1999 bis 2008 innerhalb von 9 Jahren stattgefunden, sondern lediglich ein Drittel der Zeit in Anspruch genommen. Wenn man also davon ausginge, dass sich die Geschwindigkeit der Bestandsentwicklung verdoppelt hätte – ja nur eine konstante Entwicklung der Bestandsgröße bestehen bleiben würde – dann hat der Abbott-Kakadu nicht nur sein Bestandstief überwunden, sondern lässt sogar auf eine erfolgversprechende Zukunft des Status in freier Wildbahn hoffen.

 

Status in Gefangenschaft

Anlass zur Hoffnung gebend zeigt sich ebenso die Situation des Abbott-Kakadus in Gefangenschaft. Neben Haltungen u.a. im Weltvogelpark Walsrode, dem Vogelpark Marlow und dem Loro Parque werden die Vögel auch von einigen privaten Züchtern gehalten. Der Loro Parque kann sich, ebenso wie einige Züchter, regelmäßig über Nachwuchs freuen und somit einen Teil zur Erhaltung dieser in der Natur überaus seltenen Unterart leisten. So zeigt die AZ-Nachzuchtstatistik seit dem „Wiederentdeckungsjahr“ 2008 in jenem Jahr sechs, in 2010 drei Nachzuchten – in 2011 wurden drei und letztes Jahr (2012) zwei Nachzuchten gemeldet. Die AZ-Nachzuchtstatistik führt also seit 2008 15 (seit 2004: 37) Nachzuchten, wobei diese – ebenso wie die Nachzuchten der zoologischen Einrichtungen – nur einen Teil der weltweit nachgezüchteten Abbott-Kakadus darstellen.

Erwähnenswert ist an dieser Stelle, dass davon auszugehen ist, dass alle heute gehaltenen Abbott-Kakadus vermutlich Nachfahren jener Abbott-Kakadus sind, welche einst 1983 und 1985 von Vogelfängern gefangen wurden, was erst zu einer maßgeblichen Bestandsverkleinerung geführt hatte. Eben diese Nachfahren sind es nun, welche im Fall des Aussterbens den Bestand sichern würden.

 

Fazit

Der Natur-Bestand ist wieder gefestigt und entwickelt sich aktuell stetig zum Positiven. Das Schutzprojekt für den Abbott-Kakadu trägt beachtliche Früchte und lässt Papageienfreunde in eine hoffnungsvolle Zukunft schauen. Angesichts des zwar mittlerweile gefestigten, jedoch dennoch kleinen Bestandes des Abbott-Kakadus in dessen Heimat sollte verstärkt auf eine unterartenreine Verpaarung Wert gelegt werden, um den weltweiten Status des Abbott-Kakadus stabil halten zu können. Denn auch die Nachzuchtzahlen aus Haltungen sind letztlich relative Zahlen, da keine Gewähr für eine Unterartenreinheit gegeben ist. Auch unterliegt der Wildbestand des Abbott-Kakadus durch seine äußerst geringe Größe ständig der Gefahr, durch eine auch noch so kleine Epidemie „ausgelöscht“ zu werden, weshalb ebenso wichtig wie die Unterschutzstellung in der Natur auch eine gewissenhafte Nachzucht mit den in Menschenhand vorhandenen Vögeln ist, wie es uns schon das Beispiel des Spixaras gelehrt hat.

Hat sich der Bestand weiterhin stabilisiert, könnte auch eine Auswilderung von Nachzuchten in Erwägung gezogen werden, um den durch die starke Bestandsabnahme klein gewordenen Genbestand „etwas aufzufrischen“ und so die Entwicklung weiter zu fördern. Auf diese Weise könnten wir in Zukunft auch auf eine eventuelle Wiederansiedlung auf den anderen Inseln der Inselgruppe hoffen.

 

 

Literatur

 

Jepson, P. & I. Setiawan (1998):

Zur Situation des Mittleren Gelb-

haubenkakadus (Abbott-Kakadu).

PAPAGEIEN, 3/1998

 

D. Nandika, D. Agustina & s. Metz (2011):

Lesser Sulphur Crested Cockatoo,

abbotti Subspecies on Masakambing

Island, East Java, Indonesia.

Indonesian-parrot-project.org/articles1.html

- „Articles“ Stand: 05.04.2013, 16:00 Uhr

 

Indonesian Parrot Projekt (2012):

Notes From the Field – June 2012

http://indonesian-parrot-project.org/

NFTF-June-2012.html; Seite 12